Kreuz im Wandel

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Das Kreuz im Wandel der Zeiten

Dem aufmerksamen Beobachter begegnen überall  Kreuze: auf den Straßen, am Wegesrand, auf Berggipfeln , in Wohnungen, als Schmuck, auf dem Friedhof. Und doch wissen wir nur wenig über die Vielfalt von Kreuzesdarstellungen. Diese bot der Dia-Vortrag von Kunsthistoriker Stephan Renczes über „Das Kreuz im Wandel der Zeiten“ – gehalten im Rahmen der KEB in Stadtsteinach.

Nach einem Überblick über die verschiedenen Kreuzesformen und dem Hinweis auf die Bedeutung des Kreuzes  in außerchristlichen Kulturen begann Stephan Renczes  seine Ausführungen mit der Antike. Die frühen Christen stellten das Kreuz und die Kreuzigung nicht dar, denn sie wussten, wie  auch ihre Feinde, dass der Sohn Gottes ans Kreuz geschlagen worden war, und die Kreuzigung galt im ganzen Römischen Reich als äußerst schimpflich.

Eine Wende trat erst mit Kaiser Konstantin ein, der im Jahr 312 nach dem im Zeichen des Kreuzes errungenen Sieg über seinen Rivalen
Maxentius dieses als Motiv für sein Herrschaftszeichen verwendete, allerdings nur als Zeichen, nicht mit Christus am Kreuz. Die Legenden um die Auffindung des „wahren“ Kreuzes durch Konstantins Mutter Helena hatten für die Anerkennung des Symbols und seine Verbreitung eine ungeheuere Bedeutung. Die Christen rühmten sich von da an des Kreuzes. Es erschien als einzig legitimes Mittel zur Darstellung Christi, aber Jesus wurde gezeigt als Gott, ohne Schmerzen, als Lebender und als triumphaler Überwinder des Todes.   Nachdem das Dogma „Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch“ in das Glaubensbekenntnis aufgenommen worden war, wurde ab dem 7. Jahrhundert die Kreuzesdarstellung mit  Christus als Mensch möglich,  ans Kreuz geheftet, aber gleichermaßen gesehen als göttlicher König,  lebend,  im  Purpurmantel und mit Krone.

Im Hochmittelalter dann vollzog sich  erneut ein entscheidender Wandel. Bernhard von Clairvaux predigte Jesus als den Gekreuzigten. Folglich wurde auch sein Leiden am Kreuz gezeigt, wie z.B. der Isenheimer Altar von Matthias Grünewald eindringlich vermittelt  Diese Darstellung erlebte noch eine Steigerung in den Mystikerkreuzen und erfuhr schließlich ihren Höhepunkt in den Pestkreuzen.

Vor dem Hintergrund des Humanismus gewann dann im 16. Jahrhundert der schöne Körper am Kreuz an Bedeutung, überstrahlte die Göttlichkeit die menschliche Qual. Im Barock schließlich wurde, zum Beispiel von Peter Paul Rubens,  der wunderbare Körper des Toten dargestellt, frei von Leid mit nach oben gestreckten Armen.

Eine dramatische Veränderung in der Kreuzesdarstellung trat  im 19. Jahrhundert mit der Säkularisation ein, wie die Bilder von Caspar David Friedrich zeigen: ein Kreuz in einer wunderbaren Landschaft als Teil der Natur, nicht mehr als Träger der Heilsgeschichte, bietet die Möglichkeit für vielfältige Interpretationen. Das 20. Jahrhundert eröffnete  eine ganz neue Sichtweise. Künstler wie Chagall, Barlach, Beuys und andere setzten auf dem Hintergrund der großen Ideologien wie des Kommunismus, des Nationalsozialismus ihre subjektive Sicht um. Für sie repräsentierte das Kreuz das, was sie im Leiden sahen.

Mit dem Gnadenbild im Bamberger Dom  endete der Vortrag, für den  sich die Zuhörer nach einer kurzen, angeregten Diskussion mit herzlichem Applaus bedankten.

Ursula Pfreundner

 

 

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Letzte Änderung: 13. Januar 2008
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