Ein Kleinod in der
Stadtpfarrkirche St. Michael
Andreas Dremer, Markus
Tittel und Armin Kotschenreuther bauen eine historische Tempelanlage auf.
Stadtsteinach/Bamberg —
„Er kam auf Eingebung des
Herrn in den Tempel, und als die Eltern das Kind hereinbrachten, um an ihm den
Brauch des Gesetzes zu erfüllen, nahm er es in seine Arme und pries Gott.“ Diese
Textpassage im Lukas-Evangelium bildet den Hintergrund für einen Brauch, der in
der Stadtpfarrkirche St. Michael Stadtsteinach gepflegt wird: Dort entsteht
jedes Jahr aufs Neue eine Miniatur-Tempelanlage. Bis ins kleinste Detail Mesner
Andreas Dremer, Markus Titel und Armin Kotschenreuther haben sie in den letzten
Tagen links das Altars aufgebaut. Es gibt einen prächtigen Tempel in
majestätischem Gold-Weiß gehalten, Nebengebäude und viele Figuren. Sie sind
feingliedrig geschnitzt und liebevoll bekleidet. Bis ins kleinste Detail passen
die Accessoires. Susanne Dremer, die Schwester des Mesners, hat die Gewänder in
aufwendiger Kleinarbeit erstellt. Aber auch der handwerklich begabte Andreas
Dremer selbst hat unzählige Stunden investiert, um das Ensemble wieder
herzurichten. Er hat bei den Figuren fehlende Gliedmaßen ersetzt, die Gebäude
farblich ausgebessert und Miniatur-Palmen gebastelt. Renoviert präsentiert sich
die Anlage in neuem Glanz – eine Augenweide. Doch das Ensemble ist nicht nur
schön anzuschauen, es besitzt einen historischen Wert. Kreiert wurde es in den
dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Schöpfer war ein gewisser Friedrich
Konradi, der zur ersten Garnitur des Krippenbauvereins Bamberg gehörte. Die
Jahreskrippe umfasste fünf Tempel, zwölf Häuser, eine Ruine, vier Türme,
Kulissenteile, Felsen, Treppen und eine Stadtmauer. Es gibt noch viel zu tun Im
Jahr
1937 erwarb der Stadtsteinacher Pfarrer Dr. Ferdinand Klopf das Ensemble zum
Preis von
2000
Reichsmark. Heute dürfte die Tempelanlage ein Vielfaches ihres Ursprungspreises
wert sein: „Alleine für eine geschnitzte Figur sind mindestens um die hundert
Euro hinzulegen,“ sagt Andreas Dremer. Der wahre Wert des Ganzen ist schwerlich
zu beziffern – zumal die gezeigten Figuren und Gebäude nur ein Teil des Ganzen
sind. Etliche Sachen sind noch eingelagert und können nicht gezeigt werden – aus
Platzgründen oder weil sie noch hergerichtet werden müssen. Es gibt noch viel zu
tun für Andreas Dremer und seine Helfer…
Die Miniatur-Tempelanlage bildet
die Kulisse für eine biblische Szene: Die Beschneidung Jesu im Tempel von
Jerusalem. Das Ensemble war jahrzehntelang in der Versenkung verschwunden. Die
ehemals
100
Figuren und Gebäude wurden eingemottet und gerieten in Vergessenheit. Nachdem
Pfarrer Dr. Ferdinand Klopf ab
1951
nicht mehr in Stadtsteinach wirkte, scheute man die Mühen, das Ensemble
aufzubauen. Ende der
80er
Jahre wurde die Anlage von Markus Tittel wieder entdeckt. Seither erlebte sie
viele Renovierungen. In diesem Jahr ist die Darstellung noch bis 3. Februar zu
sehen.

Unser Bild zeigt (von links)
Andreas Dremer, Armin Kotschenreuther und Markus Tittel beim Aufbau.
Klaus Rössner

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