Wie ist es unserer Fastengruppe ergangen?
Die schönen und die weniger schönen Seiten des Fastens
Es ist Fastenzeit und alljährlich findet sich im
Pfarrheim von St. Michael eine Fastengruppe zusammen. Man trifft sich beinahe
täglich, dort werden Erfahrungen, die jeder macht, ausgetauscht.
Im Grunde sind die dann aber bei jedem gleich:
Der Kreis um Dekan Hans Roppelt erfährt durchwegs Positives. Körperlich geht es
jedem gut, wie schon lange nicht mehr und das obwohl keiner aus der Gruppe seit
Aschermittwoch auch nur einen Bissen feste Nahrung zu sich genommen hat.
Lediglich Tee, Säfte, Wasser und Gemüsebrühe sind erlaubt.
Unser Pfarrer erläutert hierzu: Möglich sei das
alles nur, nachdem man am ersten Tag seinen Darm völlig entleert hat. Dann
verschwindet das Hungergefühl und dem Körper genügt ausreichende
Flüssigkeitszufuhr. Alle Genussgifte wie Alkohol, Nikotin und Koffein müssen
ebenfalls weggelassen werden, denn der Körper soll ja auch entschlackt werden.
Mit der richtigen Einstellung und dem Mut, sich auf die Verführungen des Alltags
erst gar nicht einzulassen, gehe alles wie von alleine.

Nötig hat das Abnehmen keiner
Stolz seien sie, so lange schon durchzuhalten,
denn leicht hat man es in unserer Konsumgesellschaft nicht. Die Hausfrau muss
das Essen ja trotzdem zubereiten und überall sind Leute die sich über einen
lustig machen: „Du bist doch schon so dürr, was willst du noch abnehmen!“, „In
dem Apfelkuchen is doch nix drin“ oder „Musst du des ausgerechnet machn wenns
Schlochtschüssel gibt?“
Eine gesunde Portion Selbstbewusstsein sei schon
nötig, mal eine Woche anders als die Anderen zu sein. Vor allem denjenigen die
heuer zum ersten Mal dabei sind, fällt es schwer. Aber die Erfahrungen belegen,
in der Gruppe geht alles leichter, denn so mancher ist schon das sechste Jahr
dabei. Und Abnehmen wäre zwar ein, für manchen willkommener, Nebeneffekt, aber
die Nebenwirkungen seien weitaus wertvoller.
Freiwilliges Fasten ist Luxus
Alle Faster berichten von geschärften Sinnen und
gesteigerter Empfindsamkeit. Die Konzentration falle leichter und die Trägheit
verschwindet. Einige haben gar die Lust am „Sporteln“ wiedergefunden. Als
Wundermittel darf man das Fasten nicht sehen, meinte Pfarrer Roppelt, denn –„wir
genießen den Luxus des freiwilligen Fastens!“. So werden wir das, was wir in
dieser Woche eingespart haben, anderen geben, die leider unfreiwillig hungern.
Nach dem Fasten müsse man den Magen erst wieder
mit Schonkost langsam an „Arbeit“ gewöhnen, so unser Stadtpfarrer. Er zitierte
Oskar Wilde – Fasten kann jeder, Fasten brechen kann nur ein weiser Mensch -.
„Wenn man das erlangte Bewusstsein des Sattseins erhält, dann ist es ganz
einfach das Gewicht zu halten, ja sogar abzunehmen. Dann hört man einfach mit
dem Essen auf, wenn man satt ist.“
„So wird wohl meine Schlachtschüssel noch ein
paar Tage länger eingefroren bleiben!“, sagte zum Abschluss einer der
Teilnehmer.
Rosi Korkisch