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1. Kirchenbrand und Neuaufbau
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In kürzester Zeit war die
Kapellmühle samt einem daneben stehenden Stadel heruntergebrannt. Ein
starker Wind trieb Funken und kleine Holzteile hoch in die Luft, gerade auf
den Kirchturm zu, der bei dieser Kirche nach Osten sah. Am Turm hatten
Dohlen Nester gebaut, die entzündeten sich, und das Feuer verbreitete sich
über die Dachsparren. |
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Drei Tage später, am 1. März, berichtete Pfarrer Andreas Schmitt an das Ordinariat Bamberg, die hiesige Pfarrkirche sei am 26. Februar von ½ 12 Uhr bis 2 Uhr völlig niedergebrannt. Wer war Pfarrer Schmitt? Geboren am 28. September 1837 als Sohn eines Lehrers, wurde er 1861 zum Priester geweiht, war als Kooperator in Mainroth und Oberailsfeld tätig, als Kaplan in Seßlach und Buttenheim, 1867 wurde er Pfarrverweser in Buttenheim, 1875 Pfarrer in Ludwag. Seit 1892 war Schmitt Pfarrer in Stadtsteinach, stand zu Zeit des Kirchenbrandes im 66. Lebensjahr, litt viele Jahre an einer epileptischen Krankheit und hat sicherlich einen ruhigeren Lebensabend erhofft. Schmitt lebte sehr einfach und sparsam; er hatte beständig 5 oder 6 Schwestern und Nichten bei sich. Übrigens hat Schmitt bis zu seinem Tod am 21. Februar 1916 unsere Pfarrer betreut.
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Neue Schwierigkeit: Altäre enthielten in der Regel Reliquien von heilig gesprochenen Persönlichkeiten. Die Reliquien aus den Nebenaltären der abgebrannten Pfarrkirche hatte beim Kirchenbrand der mutige und umsichtige Kaplan Mayer gesichert; die wollte nun Schmitt in den Altar der Friedhofskapelle einsetzen. Das Generalvikariat entschied jedoch, diese Reliquien seien nicht mehr zu verwenden. Ein Bote aus Stadtsteinach müsse die Reliquien in Bamberg abliefern; er bekomme dafür aus der „Erzb. Impressenstiftung“ einen tragbaren Altar. Die drei Stadtsteinacher Geistlichen erhielten abwechselnd die Erlaubnis, am Sonntag mehrmals die Messe zu lesen; normalerweise war dies den Geistlichen nur zu Allerseelen und Weihnachten erlaubt. Für die Gottesdienste war nun gesorgt. Doch wie stand es um den Wiederaufbau der Pfarrkirche? |
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Finanzielle Hilfe kam von oben: Am 28. Januar 1904 bewilligte das Generalvikariat in Bamberg 140 Mark(!) „zum Wiederaufbau der Pfarrkirche“. Am 4. März monierte das Generalvikariat, diese 140 Mark lägen „heute noch unerhoben und zinslos hier“ in Bamberg. Am 18. April bedankte sich Schmitt für die „gnädigst bewilligten“ 140 Mark. Er entschuldigte sich, wegen seiner „Unpässlichkeit“ könne er das Geld nicht abholen, bat um Überweisung des Geldes, legte ein Formblatt bei und schloss sein Schreiben: „Die durch verspätetes Abholen entgangenen Zinsen wird der ehrerbietigste gehorsamste Unterzeichnete berechnen und aus eigener Tasche zum Besten des Kirchenbaues ersetzen, denn dergleichen Auslagen wie Porto usw. hat derselbe (Schmitt) seit dem Kirchebrande immer auf sich genommen und es als einstweilige Beitrag zum Kirchenbau betrachtet.“ Der Bewilliger der 140 Mark war ein kleiner und kleinlicher Referent im Generalvikariat. Den Generalvikar selber nennt Schmitt in Briefen seinen „lieben Freund“; ihn hat der Pfarrer aus den Einzelfragen beim Wiederaufbau herausgehalten. Dass mit diesen 140 Mark keine großen Sprünge zu machen waren, ist dem Leser klar. Doch hatte der damals in Bayern regierende Prinzregent Luitpold den Stadtsteinachern eine „Sammlung durch Erlassung von Aufrufen“ bewilligt. Also sandte man Inserate an mehr als 20 Tageszeitungen. |
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Die Inserate der Stadtsteinacher Kirchenverwaltung enthielten folgenden Text: |
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„Herzliche Bitte! Am 26. Februar 1903 wurde unsere schöne, frei und hoch gelegene katholische Pfarrkirche durch Übertragung der Funken von einer weit entfernt gelegenen in Flammen geratenen Mühle total zerstört Die Kirche war mit Rücksicht auf ihre isolierte Lage bloß mit 33970 Mark brandversichert. Der die Baulast tragenden Kirchenstiftung stehen nur inklusive der Brandentschädigung ca. 45000 Mark an Baukapital zu Gebote, während die Kosten des Rohbaues dem Voranschlage gemäß sich auf 162000 Mark belaufen; hierzu der Aufwand für die innere Einrichtung, als: Altäre, Glocken, Orgel usw. gerechnet, ergibt sich eine Bedarfsumme von mindestens 200000 Mark. Die hiesige ca. 2100 Einwohner zählende Pfarrgemeinde, die zur Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnis auf eine ca. 200 Menschen fassende Kapelle angewiesen ist, besteh vorzugsweise aus Kleingütlern, Handwerkern und Tagarbeitern, für welche wegen der unvermeidliche drückenden Umlagen eine schwere Zeit anbricht. In unserer Not wenden wir uns an alle teilnahmsvollen Herzen mit der dringenden Bitte, ein Scherflein zu unserem Kirchenbau beizutragen. Gott wird es ihnen lohnen. Hiezu erlauben wir uns zu bemerken, dass Seine Königliche Hoheit Prinzregent Luitpold in Rücksicht auf die traurige Lage der Pfarrgemeinde unterm 13. Februar laufenden Jahrs die Erlassung eines öffentlichen Aufrufs in den Zeitungen des Königreiches Bayern allergnädigst zu bewilligen geruht haben. Stadtsteinach, den 6. April 1904 Die katholische Kirchenverwaltung Schmitt, Pfarrer Schübel, Bürgermeister Simon, Pfleger
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Wegen der Stylrichtung der neuen Kirche waren die Stadtsteinacher einig: Sie sollte der abgebrannten ähnlich sein, also im Neurokokostil erbaut und eingerichtet werden. Zustimmung fanden die Pläne von Professor Josef Schmitz aus Nürnberg, der wenige Jahre vorher die Adalbero-Kirche in Würzburg errichtet hatte. Der Grundstein zur neuen Kirche wurde am 9. Oktober 1904 gelegt, mit Grundsteinlegungsurkunde, Kapsel und Erzbischöflichen Siegel. Th. Vonwerden von der Firma Bieber & Vonwerden in Nürnberg hatte die Bauleitung. Der Rohbau ging zügig voran und kostete 120000 Mark. Als Baumaterial diente Sandstein für Fenster- und Eckenfassungen, sonst Kalkbruchstein.
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Inzwischen war der Erste Weltkrieg (1914-1918) ausgebrochen. Es war eine Zeit voller Angst, Not und Leid; auch Jahre nach Kriegsende hielt die Not an. 1916 verstarb Pfarrer Schmitt im 79. Lebensjahr. Sein Nachfolger Michael Dötzer (1916-1922) war ein eifriger Seelsorger, doch für die Verschönerung der fehlten ihm die Mittel. Dötzer litt übrigens an Magenkrebs und starb im Alter von nur 51 Jahren. Sein Nachfolger Johann Hart (1922-1936) ging mit großem Eifer ans Werk. Am 2. Weihnachtsfeiertag 1922 hielt er eine Predigt mit dem Thema „Ausgestaltung der Kirche“, die begeistert aufgenommen wurde. Daraufhin veranstaltete man eine Haussammlung, die neben reichen Sachspenden 5 Millionen Mark erbrachte. (Das Deutsche Reich steckte zur Jahreswende 1922/23 Mitte in der „Inflation“, die eine stetig fortschreitende und sich beschleunigende Geldentwertung brachte. Im Herbst 1923 bezahlte man eine Billion Papiermark für eine „Rentenmark“, die neue Währung.) Die Spenden, so berichtet Hart, wurden mit einer rührenden Freudigkeit gegeben; kein Haus schloss sich aus. Laut Vertrag vom 14. Januar 1923 verpflichtet sich Architekt Bachmann, seine so lange unterbrochenen Arbeiten wieder aufzunehmen und bis spätestens 1. Juli 1923 zu vollenden: den Herz-Jesu-Altar mit Herz-Jesu-Statue (rechts), den Marienaltar mit Pietà (links), die Kanzel, vier Beichtstühle, zwei Chorstühle, drein Innentüren mit Windfängen, zwei Glasgemälde hinter dem Hochaltar, ein großes Missionskreuz gegenüber der Kanzel; dazu kamen noch Stuckverzierungen und dergleichen, ferner ein Thronsessel. |
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Architekt Bachmann hat seinen Vertrag eingehalten. Am 29. Juni 1923 (Peter und Paul) konnte Pfarrer Hart erstmals auf der neuen Kanzel predigen. Die Pfarrkinder, so berichtet Hart, waren begeistert bei Anblick der prächtigen Kirche; auch Fremde seien voll des Lobes gewesen. Am genannten Tag teilte Hart der Gemeinde mit, dass sämtliche Rechnungen bezahlt seien - obwohl die Arbeiten nicht, vie veranschlagt, 7 Millionen, sondern 37 Millionen Papiermark gekostet hatten. Mit der monatlich fortschreitenden Entwertung des Geldes waren die Arbeitslöhne immer mehr angestiegen; auch das Material musste immer teurer eingekauft werden. Jedoch konnte die geschäftstüchtige Kirchenverwaltung das gestiftete Holz und Getreide um entsprechend höhere Preise an den Mann bringen. Pfarrer Hart und Kirchenverwaltung verdienen für diese ganze Aktion, unter solch ungünstigen Bedingungen durchgeführt, unsere Bewunderung. Am 31. Juli 1929 wurde Hart Ehrenbürger von Stadtsteinach |
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In den Dreißiger Jahren bekam die Kirche neue Seitenaltäre, gestaltet durch Professor Henselmann. Im Übrigen überstand sie so, wie Hart sie eingerichtet hatte, den Zweiten Weltkrieg, die folgenden Notjahre, aber auch Jahre des beginnenden Wohlstands. Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils (1962-1965) forderten Änderungen im Chorraum. Aber dies steht auf einem anderen Blatt |
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